Benno Kuppler SJ Berlin

Beten. Ein Meditationsgottesdienst

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Dr. Benno Kuppler

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Deutsche Provinz der Jesuiten Jesuit werden Aus Leidenschaft für Gott und die Menschen

Freunde der Jesuiten e.V.

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Meditationsgottesdienst am 23.01.1976 in der KHG Würzburg

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Tagesgebet

Gott der Liebe! Du hast dieses Gebot allen anderen vorangestellt: Wir sollten unsere Brüder lieben. Dieses Gebot sollen wir ständig vor Augen haben. Mache uns frei von der Sorge um das eigene Ich und hilf uns in dem Bemühen, die anderen zu verstehen, zu achten und zu lieben.

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Lesung aus dem 1. Johannes-Brief 4, 7-11

Meine Lieben, lasst uns einander lieben: denn die Liebe ist aus Gott, und wer liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe.

Darin hat sich die Liebe Gottes an uns erwiesen, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Darauf beruht die Liebe: nicht als hätten wir Gott geliebt, sondern er hat uns geliebt und hat seinen Sohn gesandt als Sühnopfer für unsere Sünden.

Meine Lieben, wenn Gott uns so geliebt hat, so sind auch wir es schuldig, einander zu lieben.

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Evangelium nach Johannes 15, 9-12

Wie mich der Vater geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibet in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.

Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, dass ihr einander lieben sollt, wie ich euch geliebt habe.

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Predigt von Benno Kuppler SJ

„Meine Lieben, liebet einander", so fasst der Apostel Paulus seine Überlieferung an uns zusammen. Es ist der zweite Teil des Liebesgebotes! Gott sollen wir lieben, so lautet das erste Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich: durch die Liebe zum Nächsten können wir Gottes Liebe erwidern.

Das scheint uns eigentlich nicht so schwer. Denn letztlich hat jeder von uns so „seinen" Nächsten, den er liebt. Dem Gesetz wäre also Genüge getan. Doch hier lauert eine große Gefahr:

Lieben wir tatsächlich in jedem Menschen Christus, Gott? Oder haben wir nicht unsere „auserwählten" Nächsten? Sind wir ohne Kategorien, ohne Vor-Urteile, wenn wir unseren Nächsten suchen, oder machen wir nicht eigentlich dauernd Ausnahmen, wenn wir lieben?

Selbst wenn wir die aufgeworfenen Fragen beantworten könnten mit einem uneingeschränkten Ja - und wer könnte das schon! - müssten wir fragen, woher wir die Gewissheit haben, unseren Nächsten wirklich, erfahrbar zu lieben.

Madeleine Delbrêl, eine Französin, zum katholischen Glauben konvertiert, weist uns in ihrem Buch „Gebet in einem weltlichen Leben" auf eine Quelle hin, die uns unsere Nächstenliebe erfahrbar macht: das Gebet.

Denn im Gebet, so sagt uns Madeleine Delbrêl, vermittelt sich uns Glaube und Hoffnung, und diese sind die Grundlage unserer Liebe, will diese Liebe nicht eigennützig sein.

Deshalb wollen wir heute morgen miteinander über das Beten nachdenken.

BETEN.

Beten will zwischen Gott und uns Beziehungen herstellen. Beten ist Gedankenaustausch zwischen Ihm und uns. Beten ist soziale Kommunikation zwischen Ihm und mir.

Damit ist bereits die Grenze des Betens markiert: Beten ist grenzenlos, weil es keine Tabubereiche zwischen Gott und uns, zwischen meinem Gott und mir gibt. Zumindest nicht von seiner Seite. Und das macht mich beim Beten unsicher.

Gott steht mir grenzenlos, maßlos zur Verfügung. Ich brauche nur meine Bereitschaft erkennen zu lassen, und Gott schaltet auf Empfang, auf Sendung. Diese Bereitschaft Gottes, immer ansprechbar zu sein, nie emotionalen Schwankungen zu unterliegen, einfach für mich - aber auch für jeden anderen Menschen - da zu sein: das ist Gottes Liebe zu mir.

Und meine Antwort an ihn, meine Erwiderung der Liebe, wie schaut das aus?

Kontemplation und Aktion stehen bei mir im Widerstreit.

Sollte ich nicht besser, sinn-voller eine Zeit beten, oder ist es nicht sinn-voller jemanden in einer bestimmten Situation zu helfen, aus Nächstenliebe? Muss darin überhaupt eine Ausschließlichkeit liegen? Ich meine nein!

Durch Gebet will ich zu Gott - wieder einmal- normale Beziehungen herstellen, versuche ich - wieder einmal- umzukehren, meinen Geist, mein Herz, meinen Willen nach Gott hin auszurichten, zurückzuwenden.

Nur stelle ich fest, dass dies mühsam, schmerzlich, verwirrend sein kann, weil ich oft auf eine unmittelbare Antwort warten muß.

Nicht immer kann ich die gleichen Gebetsformen verwenden, oft mache ich die Erfahrung, dass die Ausdrucksformen meines Gebetes etwas Relatives, etwas Vorläufiges haben, und dass ich oft nicht alleine beten kann, sondern die Gebetsgemeinschaft suche.

Dass wir alle fühlen, wir brauchen auch für das Gebet Gemeinschaft, führt uns heute morgen zusammen. Wir wollen nicht nur gemeinsam in Arbeitskreisen aktiv sein, sondern suchen unsere gemeinsame Grundlage auch im gemeinsamen Gebet, im gemeinsamen Gottesdienst zu finden, zu erfahren. Eine Gemeinschaft, die auf Gott bezogen sein will, wird gemeinsam beten, soll das Gemeinschaftsleben nicht leer und ohne Bezug zum Evangelium werden.

Der scheinbare Konflikt zwischen Kontemplation und Aktion, zwischen Gebet und tätiger Nächstenliebe entsteht eigentlich nur deshalb, weil wir - meist im Unbewussten- oft Zeit mit weniger nützlichen Dingen verbringen, statt uns klarer zu entscheiden für Kontemplation und Aktion. Das gilt für uns als Einzelne, aber auch für uns als Gemeinschaft.

Wenn wir so in uns hineinhorchen, können wir nämlich feststellen, dass wir in unserem Herzen tief verwurzelt „gerechte Ansprüche" finden, den Menschen zu helfen, aber nicht deutlich genug auf die Ansprüche „geistlicher Ebene" achten und diese zurückdrängen um der Menschen willen.

Was sich aber so entwickeln kann, ist Liebe zum Nächsten, ohne ihn von Gott zu erfahren. Unsere Liebe wird zum Aktivismus, der vielleicht sogar einzelne Probleme löst, aber sinn-los wird, weil ihm die „göttliche Dimension" fehlt. Ohne Gebet würden wir die Liebe Gottes rückgängig machen, die Liebe Gottes, die nämlich Mensch geworden ist.

Nehmen wir uns Zeit, um im Gebet immer wieder neu die Erfahrungen der Nähe Gottes zu machen, aus der uns dann die Kraft zuwächst, auch für den Nächsten sinn-voll dazusein.

Amen.

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Gabengebet:

Dein Sohn hat sein Leben für uns gelebt; seine Liebe - er selbst ist uns Brot und Wein, Speise und Trank - die Kraft, aus der wir leben! Lass uns sein Leben weiterleben, damit dieses Brot, wenn wir es miteinander teilen, und dieser Kelch, wenn wir ihn voneinander nehmen, stets auch ein Zeichen unserer Liebe sind.

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Präfation

Anbetung, Dank und Ehre Dir, unserem Gott für das Leben, das schöne, bunte, frohmachende Leben ... Anbetung, Dank und Ehre Dir, unserem Gott für die Liebe, die uns bejaht, birgt und so erfüllt macht ... Anbetung, Dank und Ehre Dir, unserem Gott für die Sprache, in der wir aussprechen, verstehen können, die Mitteilung ermöglicht ... Anbetung, Dank und Ehre Dir, unserem Gott für das Gebet, das uns öffnet und weit macht für Dich, das uns Deinen Willen verstehen lässt, das uns in Bewegung zu Dir hin bringt ... Anbetung, Dank und Ehre Dir, unserem Gott, mit allen Sprachen und Zungen, mit allen Schweigen und Stillesein, mit allem Glück und Leiden um Dich:

bulletHeilig, Heilig, Heilig ...

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Hochgebet

Guter Gott und Vater, wir sagen Dir unseren Dank durch Jesus Christus, Deinen Sohn, den du unseretwegen gesandt hast: um uns Heil und Erlösung zu bringen und der Welt deine Liebe zu künden. In ihm warst du am Werk, und sein Leben gefiel dir. Er handelte nach deinem Willen und gewann die ein Volk - ein Volk, das dich liebt.

In großer Dankbarkeit bieten wir dir diese Gaben an: Lass sie uns werden zum Leib und Blut deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

Denn am Vorabend seines Leidens nahm er das Brot, dankte dir für deine Güte und reichte es seinen Jüngern mit den Worten:

NEHMT UND ESST ALLE DAVON, DAS IST MEIN LEIB.

Danach nahm er den Kelch, pries deine Liebe und Güte und reichte ihn weiter mit den Worten:

NEHMT DIESEN KELCH UND TRINKT ALLE DARAUS, ES IST DER KELCH MEINES BLUTES, DAS DEN MENSCHEN VERGOSSEN WIRD ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN. MIT DIESEM BLUT WIRD DER NEUE UND EWIGE BUND BESIEGELT. SOOFT AUCH IHR DIES IN EURER MITTE TUT, SOLLT IHR ES TUN IM GEDENKEN AN MICH.

bulletGeheimnis des Glaubens ...

Darum gedenken wir, Herr, des Leidens und Sterbens deines Sohnes, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, aber auch seiner Wiederkunft am Ende unserer Tage - und darum bieten wir dieses heilige Opfer an: das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles. Wir danken dir, weil wir hier sein dürfen, um miteinander das Mahl zu halten, das uns mit dir und untereinander verbindet.

Lass deinen Geist uns und unsere gaben ergreifen und lass deine Kirche durch diesen heiligen Geist eins werden in der Liebe, damit sie auch eins sein kann im Glauben - im Glauben an dich und an den, den du gesandt hast; Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn.

Durch ihn und mit ihm und in ihm gebührt dir, guter Vater, allmächtiger Gott, die Ehre und Verherrlichung im Heiligen Geiste - heute und immer und in Ewigkeit. Amen.

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Schlussgebet:

Viele von uns werden ihres Lebens nicht froh, sie sind gehetzt und geplagt und kommen nur selten zur Ruhe. Lass uns dennoch in unserer geschäftigen Welt nicht aneinander vorbei leben, sondern stets einen Blick und ein Herz füreinander bewahren - und lass uns Zeit haben [um jeden Preis:] für unsere Freunde und Kommilitonen, für unsere Familien, und auch für uns selbst.

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