Benno Kuppler SJ Berlin

ostern 2001 am bodensee

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Dr. Benno Kuppler

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Ostern 2001 am Bodensee [Meine Sabbatzeit von Oktober 2000 bis April 2001]

Ingrid Schmidt-Weißenberger in: A. Weißenberger/I. Schmidt, Mein kleines Paradies ... Der Bodensee, Konstanz 1999

Wander-Collage" nenne ich meine Kombination von Bildern, die mancher schon in meinem Zimmer gesehen hat: Erinnerungen an Orte, an denen ich unterschiedlich lang lebte, meine Kindheit verbrachte, studierte oder arbeitete. Erinnerungen, die mich mit Menschen und Ereignissen verbinden. Erinnerungen, die mich bereichern, beglücken, beschenken. Erinnerungen, die auch manchmal Enttäuschungen und Verletzungen wachrufen können.

Jetzt, wo die Wochen und Tage meiner Sabbatzeit in Betznau-Kressbronn sich dem Ende zu neigen, wo ich nach-denke, was mir diese Zeit bedeutet, suchte ich nach etwas „Greifbarem", „Be-Greifbarem", an dem ich meine Gefühle und Erlebnisse fest-machen kann. Mir ist es wichtig, diese Wochen und Tage mit meinen Höhen und Tiefen, mit meinen Erlebnissen und Erfahrungen, mit meinem Alleinsein und Einsamsein, mit dem was ich neu gelernt und [wieder] ent-deckt habe, mit-zu-nehmen in den Lebens-Abschnitt, in die Lebens-Phase, die kommen wird. In aller Offenheit, die Zukunft heißt, die das Morgen vom Heute und Gestern unterscheidet, aber nur in dem Augen-Blick, in welchem ich alles, mich selbst als Mann, mein Leben, meine Wege und Um-Wege, mein Hin-Wege und Rück-Wege, auch meine Holz-Wege, in den Blick zu nehmen gewillt bin.

So öffnete ich meine Augen, wagte den Blick, den ich in diesen Wochen und Tagen oft auf mich und in mich gerichtet, auf das Außen zu richten, und ich entdeckte: „Mein kleines Paradies ... Der Bodensee" mit Aquarellen von Ingrid Schmidt-Weißenberger. Zugegeben, meinen Blick hatte Frau Roth vom „lesb@r. Kressbronner Buchhandlung" ein wenig geführt, als ich mit ihr sprach und nach einem Bild, einem Foto, etwas „Be-Greifbarem" fragte, das mich begleiten sollte, über meine Sabbatzeit hinaus. Und so nahm ich viele Bücher und Bildbände in die Hand, be-griff sie und mein Blick suchte, was mit Worten zu beschreiben ich nicht fähig war, von dem ich aber wusste, es nur im „lesb@r" zu finden. Dort umfängt mich jene Atmosphäre, die meine Seele weit macht und den Blick ruhig werden lässt, auch bei trübem Wetter, bei Nebel am See oder in mir oder bei Sturm.

Und so blieb mein Blick hängen an jenem Aquarell von Ingrid Schmidt-Weißenberger: es ist mein Thema. Da sind meine Wochen und Tage der Sabbatzeit ins Bild gesetzt, in Farben ausgezogen, thematisiert, für was Worte zu finden schier unmöglich. Das Aquarell füge ich meiner „Wander-Collage" zu, wenn ich sie in meinem Lebens-Raum in München neu installieren werde.

Eine klare Grenze zeigt es, die das Bild von links nach rechts durchläuft, die das Bild nach oben und nach unten teilt. Eine Grenze, die notwendig ist, um das Bild zu strukturieren, um ihm Tiefe und Ausdruck zu verleihen, um es Gestalt annehmen zu lassen. Diese Grenze trennt nicht, sondern verweist die Teile des Bildes, den See vorne und das Land hinten, in ihre Rechte, setzt sie zueinander in Beziehung als Einheit, als Ganzheit.

Grenze, das wurde mein Thema. Meine Grenzen, die mich zu mir selbst und meiner Leiblichkeit, die mich zu den Anderen, die mich zu meiner Jesuiten-Gemeinschaft, die mich zu meinem künftigen Arbeits-Raum in Beziehung setzen. Grenzen, weite Grenzen, die ich brauche, zum Leben, zum Lieben, zum Arbeiten. Grenzen, weite Grenzen, die ich ziehe, weil ich Lebens-Raum, Arbeits-Raum und Zeit-Raum für mich brauche. Grenzen, auf die ich mehr als in der Vergangenheit achte und die zu achten, ich Andere bitte.

Mein Raum, mein Lebens-Raum, mein Arbeits-Raum und mein Zeit-Raum, der mir Heimat ist und Schutz bietet, der mir Entwicklung ermöglicht, der mich Erholung und Ruhe finden lässt. Mein Raum, mein Lebens-Raum, mein Arbeits-Raum und mein Zeit-Raum, aus dem heraus ich auf Andere zugehe, privat und in der Arbeit. Den ich mit Anderen teile, wenn ich ihnen erlaube, in meinen Raum, in meinen Lebens-Raum, in meinen Arbeits-Raum und in meinen Zeit-Raum, einzutreten, ohne sich dort breit zu machen, ohne meinen Raum zu besetzen. Ich werde Anderen meine Grenzen zeigen. Ich werde meine Grenzen verteidigen.

Hell und Dunkel, als Gelb im Land und als Schwarz im See, gehören - wie im Aquarell - zu mir und meinem Leben. Alles wird umfangen von Blautönen, die den Himmel und seine Spiegelungen im See beschreiben. Auch dieser Himmel, diese Glückseligkeit gehören zu meinem Lebens-Raum, zu den Wochen und Tagen am See, den ich nie ergründet habe. Meine Landschaften in mir habe ich begonnen zu durchschreiten, die Tiefen und Untiefen der Seen und Meere, der Gebirge und Ebenen, der Ödnisse und der fruchtbaren Landstreifen. Auch hier gilt es, die Grenzen zu respektieren, bei mir und durch mich, bei Anderen und durch Andere. Diese Grenzen trennen nicht, sondern verweisen die Teile meines Lebens in ihre Rechte, setzen sie zueinander in Beziehung als Einheit, als Ganzheit: das bin ich, Benno.

Meinen Blick, den ich in diesen Wochen und Tagen oft auf mich und in mich gerichtet hatte, konnte ich auch reflektieren, spiegeln wie auf dem See. Nicht selten spürten Freundinnen und Freunde beim Telefonieren am Klang meiner Sprache, wie es mir ging. Und Lorenz Teidelt, den ich in vielen Wochen als einfühlsamen und kompetenten Supervisor kennen und schätzen lernte, hat mich selbst hellhörig gemacht, wann ich mit „Bauchstimme" und wann ich mit „Kopfstimme" sprach, wann meine Hände bei mir und auf mir lagen und wann ich mit meinem Körper andere Botschaften gab als die mit der Sprache des Kopfes. Dafür bin ich Lorenz sehr dankbar.

Denn ich habe meine Körperlichkeit und meine Männlichkeit neu und wieder entdeckt, ich habe begonnen, die Grenzen meines Körpers einzuziehen, weil ich dabei bin, meine Grenzen nach außen zu verschieben. Ich brauche meinen Raum, meinen Lebens-Raum, meinen Arbeits-Raum und meinen Zeit-Raum.

Viele Träume und Wünsche sind in diesen Wochen geplatzt. Dafür habe ich neue Gewissheiten in mir gefunden: mein Bauch hat immer recht. Gewusst habe ich dies schon lange, aber ich habe es nicht wahrhaben wollen. Genauer noch, ich habe mir dies oft ausgeredet, weil es „objektive" Gründe dafür zu geben schien, gegen den Bauch zu entscheiden. Dabei standen diese Gründe gegen mich: ein Objekt ist ein Gegen-Stand. Neue Hoffnungen wachsen in mir. Das Frühjahr hat ja kaum begonnen, nicht nur am Bodensee.

Abschied ist angesagt. Abschied von geplatzten Träumen und Wünschen. Abschied von Dingen und Ideen. Abschied auch von Menschen. Abschied in diesen Tagen ganz konkret von Menschen, die mich in den vergangenen Wochen und Tagen mit ihrem Wohlwollen, ihrer Liebe, ihrer Zuwendung beschenkt haben: Elisabeth B., die mir geholfen hat, dass mein „Hexenhäuschen" sauber und wohnlich blieb und wenigstens meine Hemden keine Falten hatten, wenn auch die Seele oft zerknittert war. Susanne und Stefan und ihre Kinder Mirijam, Martin, Maike und Johanna, bei denen ich so, wie ich bin, da sein durfte. Meine Mutter und meine Schwester, die beide nicht so viel von mir hatten, wie ich das am Anfang selbst dachte, die mich aber leben ließen, auch wenn sie nicht immer wussten, was mit mir los ist. Andrea mit ihren fünf Männern, deren Haus für mich offen steht und deren Telefon bei mir klingelte. Dankbar bin ich für ein wichtiges Gespräch mit Weihbischof Rieger, der in Kressbronn seinen Alterssitz hat. Und dann sind da die freundlichen Blicke, die Wortwechsel mit den Hauber‘s und anderen Nachbarn in Betznau und mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Geschäften in Kressbronn, wo ich meine Einkäufe tätigte.

Und da sind die vielen Anderen, die mir Briefe geschrieben haben, die ich nicht beantwortet habe, die immer noch auf eine Mail warten, die vergeblich auf den Anrufbeantworter sprachen. Entschuldigen will ich mich nicht, das wäre zu einfach. Ich bin aber zuversichtlich, dass meine Ein-Üben eigener Grenzen, dass mein Suchen nach Lebens-Raum, Arbeits-Raum und Zeit-Raum, dass meine Sabbatzeit als Aus-Zeit Verständnis bei Euch für mein Schweigen weckt. Danke!

Mein Leben war in den vergangenen Wochen und Tagen in meinem „Hexenhäuschen" in Betznau „das" Thema. Mein Leben in seinen vielschichtigen Verästelungen habe ich in den Blick genommen, nicht nur für einen Augen-Blick, oft Nacht und Tag. Manches konnte ich be-greifen, vieles nur mit Anstrengung in den Blick nehmen. Einiges wurde mir geschenkt. Einige Geschenke will ich noch an-nehmen. Ich habe schon einen Blick auf diese Geschenke gewagt, einen Augen-Blick lang. Im Aquarell von Schmidt-Weißenberger finde ich sie geborgen, da leben sie symbolisch. Langsam werde ich diese Geschenke in die Hand nehmen, an-nehmen, be-greifen.

Das größte Geschenk ist die neu in mir erwachte Hoffnung und Zuversicht. Sie ist nicht zu be-greifen, sie ist nicht hand-fest, sie ist kein Gegen-Stand, sie passt in keinen Umzugskarton, sie fällt aus jedem Rahmen. Gott sei‘s gedankt! ER lasse sie wachsen in mir. ER ist grenzen-los. Ich lebe mit meinen Grenzen, die ich ausweite, die ich achte, die ich beob-achte, die ich beschütze, die ich verteidige. Meine Grenzen beschreiben meinen Lebens-Raum, meinen Arbeits-Raum und meinen Zeit-Raum. Und diese Räume brauche ich als Weite. Leben in Fülle für mich, damit Andere spüren und er-leben und mit mir erfahren: Benno lebt!

Und ich freue mich in München zu leben als meinem neuen-alten Lebens-Raum, meinem Arbeits-Raum und meinem Zeit-Raum mit ihren jeweiligen neuen Grenzen, bereichert durch viele wichtige Erfahrungen vom Bodensee und die früheren Lebens-Phasen in Bad Kreuznach, Mannheim, Frankfurt/M., Nürnberg, Rom, Ludwigshafen ... und offen für neue Erfahrungen mit anderen Menschen, wo auch immer sich unsere Wege kreuzen. Neugierig bin ich auf Begegnungen mit Menschen, die, wie ich selbst, nach ihrem Weg suchen und unterwegs sind. So wird meiner „Wander-Collage" mit Leben erfüllt: Lebens-Raum für mich und Andere.

Mein Lebens-Raum in München wird das Berchmanskolleg in der Kaulbachstraße 31a, gleich hinter der Ludwigskirche in der Ludwigstraße, sein. Das ist eine große Jesuiten-Kommunität, die auf verschiedene Häuser verteilt und in WG‘s unterteilt ist. In einer kleinen WG im Kardinal-Wendel-Kolleg werde ich mit Jonny und Richard zusammen wohnen.

Werte - Wirtschaft - Weiterbildung" so umschreibe ich meinen neuen Arbeits-Raum und als Abkürzung benutze ich „we-wi-we", so wie im Titel meiner Homepage. Als „Generalist" will ich meine Erfahrungen aus Seelsorge, Betriebswirtschaft und Theologie zusammenbringen in Vortrags- und Seminartätigkeit und in Beratung, die seelsorglich oder auch sachlich-fachlich orientiert sein kann.

Geht denn das überhaupt zusammen, die Betriebswirtschaft und die Theologie? „Gefühlsmäßig", vom Bauch her, ist die Antwort klar: Die Brücke zwischen beiden Disziplinen ist der Mensch. In beiden Fachbereichen geht es um den Menschen: Der Mensch in seinen Fragen nach Gott als dem Sinn seines Lebens. Der Mensch in seinem Fragen nach dem Ziel seines Handelns. Der Mensch mit seinen Erfahrungen des Glaubens. Der Mensch mit seinen Erfahrungen des Handelns. Und die Brücke: Ist der Mensch selbst nicht der „Raum", in dem Glauben und Handeln ihre Einheit in Verschiedenheit finden?

Für meinen neuen Arbeits-Raum bin ich auch auf Eure Unterstützung angewiesen. Manche und Mancher arbeiten in Bereichen von Wirtschaft, Gesellschaft oder Kirche, wo sie mich als Referenten einladen oder Andere auf mich aufmerksam machen können.

Schaut mal in meine Homepage we-wi-we.de. Meine Themenpalette ist weit wie mein Lebens-Raum und es mich reizt, auch neue Themen in den Blick zu nehmen. Mein Arbeits-Raum wird auch Raum der professionellen Begegnung mit einigen von Euch sein.

Müssen wir selbst nicht der „Raum" sein, in dem unser Glauben und Handeln ihre Einheit in Verschiedenheit finden? Leben in Fülle für jeden von uns! Die Grenze zwischen Handeln und Glauben trennt nicht, sondern verweist die Teile unseres Ichs in ihre Rechte, setzt sie zueinander in Beziehung als Einheit, als Ganzheit, als Person.

Ostern kann für mich jetzt kommen. Denn es ist gut, dass ER am Karfreitag für mich gestorben ist: damit ich lebe. Aber nicht nur für mich, auch für Dich, für jeden, für uns. Leben wir miteinander, leben wir füreinander! Kehren wir, wie die Emmaus-Jünger im Osterevangelium, um von unseren „kleinen Fluchten", kehren wir um nach Jerusalem, auf den Weg des Lebens. Geben wir uns auch ein Zeichen: wie das Brechen des Brotes durch Jesus zum Zeichen für die Emmaus-Jünger wurde.

Kehren wir um zum Leben! Dann darf es uns im Alltag nach Schreien zu Mute sein, wie dem Moses im Buch Exodus, das wir in der Osternacht hören, der zu Gott geschrieen hat angesichts des Elends, der Knechtschaft der Israeliten in Ägypten. Haben wir nicht auch immer wieder Grund, nach unserem Gott zu schreien und zu hoffen, dass er uns „mit starker Hand und ausgestrecktem Arm" herausführt aus unseren Gefängnissen?

Frohe Ostergrüße vom Bodensee sendet Ihnen und Euch in herzlicher Verbundenheit Euer & Ihr Benno Kuppler

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